Autor
Über den Stand des Düring ist nichts bekannt. Nicht nur aus chronologischen Gründen eher unwahrscheinlich ist es, dass er mit einem schon 1244 in Altenburg bezeugten Ritter gleichen Namens identisch ist. Vermutlich wird man in ihm einen Fahrenden sehen können, von dem, aus welchen Gründen auch immer, nur Minnesang überliefert ist. Neben der Überlieferung (s. u.) sprechen sowohl sprachliche Merkmale für das Thüringische als Herkunftsgebiet wie auch der Name, den er sich zugelegt haben oder der ihm beigelegt worden sein könnte, als er sich auch außerhalb seines Herkunftsgebiets befunden hat – möglicherweise im deutschen Südwesten, wo er Dichtungen Konrads von Würzburg und Gottfrieds von Neifen kennengelernt hat. Das spätere 13. Jahrhundert dürfte seine Schaffenszeit gewesen sein, wofür auch Stil und Themen sprechen.
Überlieferung
Vom Düring sind nur in der Handschrift C (fol. 230r/v) sechs je dreistrophige Lieder überliefert. Ein siebter Text C Dür 1 steht formal abseits und wurde von Worstbrock passend als »unstrophischer Laiausschnitt« (Worstbrock, Sp. 247) bezeichnet. Das Œuvre wurde vom Nachtragsschreiber Fs auf den freien Seiten der XXI. Lage nach dem des in C explizit als Dv̍ring bezeichneten Christan von Luppin und demjenigen Heinrich Hetzbolds von Weißensee eingetragen. Alle drei Autorkorpora stehen im Anschluss an die C-Strophen des sogenannten ›Wartburgkrieges‹ mit einer Miniatur, auf der u.a. Landgraf Hermann von Thüringen abgebildet ist – auch dies ein Hinweis auf die Heimat des Düring. Die lebhafte Düring-Miniatur (fol. 229v), die vom ersten Nachtragsmaler stammt (Walther, S. 155), zeigt, ohne jeden Zusammenhang mit dem Œuvre des Dichters, eine Burgbelagerung. In der unteren Hälfte greifen vier Krieger die Burg an, die von oben mit Armbrust und Steinen verteidigt wird, u.a. von einer Dame. Rechts oben steht übergroß der gepanzerte Dichter (als Burgherr?) mit Schwert und Speer. Auf dem blauen Phantasiewappen ist eine goldene Barbe zu sehen, zwei weitere, gestürzte Barben sind auf dem Topfhelm abgebildet. Auch die frühesten Siegel Weißensees (Thüringen) zeigen seit dem 13. Jahrhundert neben anderen Figuren einen Fisch (Hinweis Kirchschlager, S. 48; ebd. wegen des Wolfsschildzeichens in der Miniatur auch mit Überlegungen zur Belagerung Weißensees i. J. 1212 durch Gunzelin von Wolfenbüttel, im Krieg des Kaisers gegen die Thüringer unter Landgraf Hermann I.).
Werk
Im Werk des Düring scheinen sich unterschiedliche inhaltliche, formale und metrische Traditionslinien des 13. Jahrhunderts zu überkreuzen. Neben dem individuellen Kummer über den lebenslang abgewiesenen Dienst stehen die Hoffnung auf Entgegenkommen (C Dür 17–19) und das Frauenlob (C Dür 11–13); einer eher wenig ambitionierten, traditionsverhafteten Darstellungsweise (C Dür 14–16 und C Dür 17–19), die der Düring Gottfried von Neifen verdanken könnte, steht eine hochrhetorische Beschreibung des eigenen Leids und der kritisierten Haltung der Dame gegenüber, die mit zahlreichen Tropen und einem ausgesuchten Vokabular arbeitet und motivisch Parallelen zu Liedern Heinrichs von Morungen zeigt (vgl. z.B. Schaaff, S. 302–308); eine moderat elaborierte metrische Struktur wird in C Dür 5–7 und 8–10 mit Polysemen und Homonymen sowie den unterschiedlichsten Reimformen vom In-, Schlag- zum übergehenden Reim, die der Düring von Dichtungen Konrads von Würzburg gelernt haben könnte, nicht eigentlich verrätselt (wie vielleicht in C Dür 1, zu dem als Vorbild auf die ebenfalls nur in C überlieferte Einzelstrophe C KonrW 85 hingewiesen wird), sondern als Mittel der Aufmerksamkeitslenkung eingesetzt. Man kann sicher manche Lieder des Düring als Beispiele einer »ehrgeizigen Ausstattungspoetik« (Worstbrock, Sp. 247) beschreiben, wenn man diese Charakterisierung nicht als Tadel begreift, sondern als Ausdruck eines durchaus zeitbedingten Dichtens am Ende des 13. Jahrhunderts, das eine literarische Begabung unter Beweis stellt.
Jens Haustein