
Überlieferung: unikal in C.
Form: Kanzonenstrophe.
.2-a 2-a 2b .2-c 2-c 3d / .2-e 2-e 2b .2-f 2-f 3d // .2g (.)3-h .2g (.)3-h 2-i 2-i 1-j 2-j .3k .3k
Die Silbenzahl scheint streng geregelt (mit pfands in III,11 und mangen in III,15; rede in II,1 ist nicht zu elidieren). Am Verseingang begegnet relativ häufig Tonbeugung (oder wäre alternativ Auftakt anzusetzen). Charakteristisch sind die zahlreichen daktylischen Takte (jeweils Takt 1 in V. 1, 2, 7, 8, 17, 18, 20). Schwierig ist die metrische Deutung von V. 14 und 16: alternierend mit Auftakt oder ohne Auftakt und mit daktylischem (ersten oder zweiten?) Takt? (In II,14 ist wohl er sehe’n morgen schinen zu lesen.)
Die Kürze der Verse könnte dazu anregen, die (ein‑ oder) zweihebigen Verse mit Binnenreim zusammenzuziehen (etwa V. 1f., 7f., 17f., 19f.), wodurch die Zahl der daktylischen Takte nochmals vermehrt würde.
Inhalt: Tagelied.
Der Wächter verkündet den Tagesanbruch und ermahnt die Liebenden, zu erwachen und aufzubrechen (I). Die Wächterrede erscheint dem Ritter bitter, die Dame prüft am Fenster die Tageszeit und schilt den Wächter wider besseres Wissen einen Lügner: der Morgen graue noch nicht (II). Der Ritter küsst sie; nach erneutem Warnruf des Wächters nimmt er von der Geliebten Abschied (III).
Die Situation ist generisch konventionell, betont generisch auch die Situation (eine und nicht die Dame, ein und nicht der Ritter), die Sprache klar. Bemerkenswert sind die teils raschen Sprecherwechsel, die in Strophe I auch enigmatisch anmuten (siehe die Anmerkung zu I,2f.).
Florian Kragl
| C Marn 5 = Strauch II,1; Willms 1,1Zitieren | |||
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 349vb | |||
| I | |||
| C Marn 6 = Strauch II,2; Willms 1,2Zitieren | |||
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 349vb | |||
| II | |||
| C Marn 7 = Strauch II,3; Willms 1,3Zitieren | |||
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 349vb | |||
| III | |||