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Heinrich von Veldeke, ›Swer meret die gewizen min‹ (A 5 6 7) Lied zurückLied vorDruckerTEI Icon

Kommentar

Überlieferung: Während B und C unter Dietmar von Aist einen zwei­strophigen Wechsel überliefern, bringt die erste Veldeke-Sammlung in A (Heinrich von Veltkilchen) mit einer zusätzlichen Strophe ein drei­strophiges Lied. Die Forschung tendiert dazu, den Wechsel Dietmar zuzusprechen, die Autorschaft aller Strophen ist jedoch letztlich ungeklärt.

Der Ton stimmt überein mit B Veld 46 et al. – dass beide Lieder inhaltlich ähnlich sind, hat die Diskussion um eine Autorschaft Dietmars, Veldekes oder eines Nachdichters befeuert (vgl. MF/KU, S. 86–89) – sowie mit A Leut 12–14 / B Rugge 1–4 / C Reinm 194–197 / C Rugge 13–16. Den gleichen Bau weist außerdem das mit Melodie überlieferte ›Lerchenlied‹ Bernarts de Ventadorn auf (vgl. Spanke, S. 203f.). Grundsätzlich ist eine Strophenform, die – bei verschiedenster Kadenz- und Reimgestaltung – auf acht vierhebigen Kurzversen basiert, in der mittelalterlichen deutschen Lyrik überaus gängig (Übersicht bei Touber, S. 65–67). Unter Veldeke findet sie sich mehrfach, unter Dietmar ein weiteres Mal (A Veld1 8–10 / B Dietm 7–11 / C Dietm 7–11).

Form: .4a .4b / .4a .4b // .4c .4d .4c .4d

Die drei Strophen sind mit durchgängigem Auftakt und männlicher Kadenz einheitlich gestaltet (vgl. A Veld1 8–10 et al. und Ipsen, S. 347). Anstelle der Assonanzen in A und B bringen C I,3 und C II,4 reine Reime (zu den formalen Eingriffen des C-Schreibers vgl. Henkes-Zin, S. 181). Mit lip in B I,4 schafft B ein rein reimendes Reim­paar (wip/lip) und weicht damit vom Reimschema ab. Die Reimpunkte in B und C markieren die Versgrenzen. In A II fallen die Reimpunkte mit dem Ende von Aufgesang und Abgesang zusammen, in A I und III lassen sie kein Prinzip erkennen.

Inhalt: Im Mittelpunkt jeder Strophe steht der Liebesschmerz, in allen drei Strophen bezeichnet ihn das Wort senen (I,4, II,2, III,4). Insgesamt fällt die »Häufung des kondizionalen Ausdrucks« (Becker, S. 88) auf, wobei die Darstellung in II eher durch die Fragen (II,1f., II,7) und den Ausruf (II,5f.) geprägt ist, während I und III durch den Konjunktiv bestimmt sind: I imaginiert dabei eine wunnecliche zit, III eine groziu not. Die zweite und die dritte, nur in A überlieferte Strophe sind beides Frauen­stro­phen, die sich hinsichtlich der Darstellung merklich voneinander unterscheiden. Nimmt man einen Liedzusammenhang an, wirken beide als Gegenstück zu I. Mit Blick auf die Vortragssituation deutet daher Ipsen, S. 351 und S. 410f., Str. III als »Auswechselstrophe« zu II.

Simone Leidinger

Kommentar veröffentlicht am 01.01.2019; zuletzt geändert am 01.03.2021.
Gehört zur Anthologie: Wechsel
 A Veld/32r 7 = MF 35,32Zitieren
Digitalisat
Kleine Heidelberger Liederhandschrift (Heidelberg, UB, cpg 357), fol. 32v
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Heinrich von Veldeke, ›Hei isch an mir the lose minnen‹ (A 3 4 5 6 7) Lied zurückDruckerTEI Icon

Kommentar

Überlieferung: Das Lied ist in ABC im Korpus Heinrichs von Veldeke überliefert, wobei in A an erster und dritter Stelle zwei weitere Strophen ergänzt sind. Besonders die letzten beiden Strophen in A lassen erkennen, dass der Schreiber eine Vorlage vor sich hatte, die an einigen Stellen beschädigt oder schwer lesbar war.

Die nur in A überlieferten Strophen wurden in der Forschung verschieden bewertet: Thomas, S. 167, 191f., äußerte Zweifel an der Autorschaft Veldekes. Scherer, S. 121, bezweifelte zwar nicht die Zuschreibung zu Veldeke, schied die beiden Strophen aber aus dem Lied aus. Ipsen, S. 390f., verstand A III als Auswechselstrophe zu V; dagegen argumentiert MF/KU, S. 161f.

Form: 4-a 4b / 4-a 4b // 4b 4-a 4b 4-a

Es liegen achtversige, isometrische Stollen­stro­phen mit spiegelbildlichen Kreuzreimperioden und freier Auftaktgestaltung vor. In A III fehlt ein Vers. In A II / BC I, V. 3f. sowie V. 7f. verbinden grammatische Reime den a- mit dem b-Reim. Für die Realisierung reiner Reime sind verschiedentlich leichte Veränderungen vorzunehmen, so wechseln etwa im a-Reim in A V / B III Reimwörter mit und ohne abschließenden Nasal. Die Auftaktgebung variiert.

Aarburg, S. 415, sieht in dem Lied eine mögliche Kontrafaktur zu Fine amours et bone esperance des Piere de Molins (Melodieabdruck bei Aarburg, S. 12f.).

Inhalt: Frauenlied. Das Lied kann zusammen mit BC Veld 1–4 als ein Lieder-Wechsel verstanden werden (so z. B. Kasten, S. 615): Wo in den Männer­stro­phen der Sprecher bereut, mit seiner Forderung nach körperlicher Nähe den Code der Hohen Minne missachtet zu haben, erklärt hier die Dame, einem unhöfischen Werbungsversuch nicht stattgegeben zu haben.

Sie wird als Minneherrin inszeniert, die ergebenen Minnedienst zulässt, aber nicht das Überschreiten der Regeln der Hohen Minne (vgl. A II / BC I). Gleichzeitig tritt sie als Erzieherin auf, die dem Mann die Spielregeln des höfischen Minnewerbens beibringt (vgl. A V / BC III).

Mit einem Verweis auf den nicht getrunkenen (Zauber-)Trank in A I,7 wird die Minneauffassung der Dame motivisch von der durch den Trank symbolisierten Tristan-Minne abgesetzt (siehe auch A Veld/32r 1 / BC Veld 10). Durch die unikale Überlieferung der ersten Strophe fehlt dieses Moment in der BC-Fassung, ebenso wie der Natureingang – vielleicht fungiert die in A nicht überlieferte erste Strophe von BC Veld 1–4 in BC als Natureingang für beide Lieder.

Ähnlich fehlt in dem Frauenlied der BC-Fassung die Wiedergabe der unhöfischen Bitte des Mannes, welche in der in A unikal überlieferten dritten Strophe expliziert wird (vgl. A III,6f.); die genaue Äußerung wird in der BC-Fassung nur im Zusammenhang mit dem ersten Lied des Wechsels deutlich.

Sandra Hofert

Kommentar veröffentlicht am 28.02.2022.
Gehört zur Anthologie: Frauenlied
 A Veld/33r 7 (17) = MF 58,3Zitieren
Digitalisat
Kleine Heidelberger Liederhandschrift (Heidelberg, UB, cpg 357), fol. 33v
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