
Überlieferung: Die Strophen C 244–249 werden nur in C als Liedeinheit durch dieselbe Lombardenfarbe markiert. Die in C zusätzlich an anderer Stelle (C Wa 405–407) als eigenes Lied überlieferten Strophen C 248f. folgen hier auf eine Strophengruppe (C 244–247), die in allen anderen Hss. eigenständig bleibt (vgl. die Kommentare zu C Wa 244–247 et al. und C Wa 248f. et al.). Die Zusammenrückung ist sicher sekundär, aber von der C-Redaktion möglicherweise gezielt hergestellt worden.
In früheren Editionen blieb der sechsstrophige Liedzusammenhang fast immer unberücksichtigt (dagegen bei Wa/Bei, Heinen abgedruckt).
Form:
C 244–247: 4-a 6b / 4-a 6b // 4c 6-x 6c
C 248f.: 4-a 6b / 4-a 6b // 4c 6-x 4c
Mit Ausnahme des letzten Verses ist die Form beider Strophengruppen identisch. Die Form weist zudem eine gewisse Brüchigkeit auf, die wohl die Annäherung der Lieder ermöglichte: C 247, V. 6 ist gegen die restliche Überlieferung unter-, der folgende Vers überfüllt; C 248, V. 6 steht entgegen dem Schema mit männlicher Kadenz. Nimmt man für V. 6f. eine Langzeile an (so auch Henkes), lösen sich diese metrischen Probleme; C 248f. würden sich gegen C 244–247 weiterhin durch unterfüllte Schlussverse abheben, aber in geringerem Maße (10 bzw. 11 statt 12 Hebungen). Sind Langzeilen für die separate Parallelüberlieferung der Lieder unwahrscheinlich, sind sie für die vorliegende Fassung denkbar, da hier Reimpunkte fehlen (bzw. in C 244 ausgewischt sind) und sich die Form annähert.
Inhalt: Die Forschung betrachtet beide Lieder überwiegend separat. Für die inhaltliche Kohärenz des sechsstrophigen Liedzusammenhangs C 244–249 als Absage an den Minnediskurs argumentieren Henkes/Schmitz: Demnach folgt auf C 247 die Antwort der Frau und erfüllt in diesem Sinne den Wunsch, zeitig zu antworten (C 247, V. 4), worauf das Sänger-Ich mit einer Erwiderung (C 249) reagiert (vgl. auch Strohschneider). Henkes, S. 197-202, plädiert außerdem dafür, den Strophenzusammenhang als von C intendiert ernst zu nehmen. Allerdings bilden beide Liedteile auch für sich geschlossene Sinneinheiten, wie die separate Überlieferung in anderen Hss. sowie das erneute Vorkommen des Liedes mit zusätzlicher Strophe in C zeigen. Thematische bzw. motivische Bezüge sind fraglich, und möglicherweise widersprechen sich C 247, V. 4 und C 248, V. 1 sogar.
Michael Lebzelter / Milena Müller
| C Wa 244 (240 [248]) = L 69,22Zitieren | |||
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 135ra | |||
| C Wa 245 (241 [249]) = L 69,1Zitieren | |||
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 135rb | |||
| C Wa 246 (242 [250]) = L 69,8Zitieren | |||
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 135rb | |||
| C Wa 247 (243 [251]) = L 69,15Zitieren | |||
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 135rb | |||
| C Wa 248 (244 [253]) = L 70,1Zitieren | |||
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 135rb | |||
| C Wa 249 (245 [254]) = L 70,15Zitieren | |||
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 135rb | |||