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Heinrich von Veldeke, ›Ich wil vro sin durch ir ere‹ (B 12 13 14) Lied zurückLied vorDruckerTEI Icon

Kommentar

Überlieferung: Die Strophen sind in BC im Korpus Heinrichs von Veldeke überliefert, wobei die ersten beiden Strophen die Position untereinander wechseln.

Form und Liedeinheit:

C 4-a 4b 4-a / 4-a 4b 4-a / 4b 4-x 4b

In C liegen neunversige Terzinen­stro­phen vor. Unterfüllung in C I,6.

In C sind die Strophen durch die gleiche Initialfarbe als Einheit markiert; zudem ist (im Vergleich zu B) die Tendenz zur formalen Angleichung zu erkennen (vgl. z. B. B II / C I, V. 4f.). Gleichzeitig bilden die Waisen einen identischen Kornreim; der a-Reim in C III greift jenen aus C II auf.

Eine solche Anreimung und jener Kornreim lassen sich auch in B erkennen, doch weisen die Strophen dort deutlichere formale Unterschiede auf:

B I 4-a 4b 4-a 3b 4-a 4b 4-a 4b 4-x 4b
(mit einer beschwerten Hebung in V. 4 auch als isometrisch vierhebige Strophe lesbar)

B II 4-a 4b 4-a 4b 4-a 4-a 4b 4-x 4b
(wobei V. 9 nur unrein reimt)

B III = C

Insbesondere die variierende Verszahl (B I hat einen im Textvergleich mit C und durch die abweichende Taktzahl erkennbaren Zusatzvers) und das unterschiedliche Reimschema fallen auf. Cramer, S. 66f., argumentiert für ein die Einzel­stro­phen in B dennoch verbindendes Formprinzip. Von seinen Überlegungen ausgehend und unter Ausschluss des Zusatzverses in B I ließe sich die metrische Form der B-Strophen mit der Formel wiedergeben: 4-a 4b 4-a 4-a/b 4-a/b 4-a 4b 4-x 4b, wobei der 4. und 5. Vers von Cramer als »Symmetrieachse« (S. 66) bezeichnet werden. So vermutet Cramer eine »bewusste Manipulation« (S. 66) durch den B-Redaktor.

Ob die Strophen ursprünglich eine Einheit bildeten, die in B zerstört ist, oder ob die Strophen in C zu einer Toneinheit verbunden wurden, ist nicht zu entscheiden. Der Kornreim, die gemeinsame Überlieferung sowie die Parallelität von BC III sprechen für Ersteres. Schweikle geht dagegen von drei ursprünglichen Einzel­stro­phen aus, die »nachträglich zu einem Lied zusammengefaßt wurden« (S. 434).

In den Editionen werden die Strophen als Lied zusammengefasst, wobei die Strophenreihenfolge unterschiedlich aufgefasst wird: MT/LH, MT/V sowie MF/K setzen den Beginn nach B, vertauschen dann aber die beiden folgenden Strophen. MF/MT orientiert sich an B, wofür auch Ipsen, S. 391, plädiert; Schweikle dagegen folgt C.

Inhalt: Minnefreuden mit Naturbildlichkeit.

Die Strophe B I / C II, die inhaltliche und formale Parallelen zu BC Veld 15 aufweist (vgl. Lieb, S. 44f.), steht in B als Natureingang zu Beginn: Wenn die Amseln liebu̍ mere (C II,6) bringen, soll auch der wahrhaft Minnende seine Stimme erheben und Gott danken. Dabei wird durch die Varianz im ersten Vers (vor C; von B) in C die Prozesshaftigkeit vom Herannahen des Sommers stärker betont [›In den Zeiten (Frühling) vor der Jahreszeit, in der die Tage lang sind (Sommer)‹ C; ›In der Jahreszeit, in der die Tage lang sind‹ B]. Zudem wird in B die rehte minne eng mit dem Moment der Zwanglosigkeit in Verbindung gebracht (ane twang, B I,10); in C steht die Beständigkeit im Zentrum (ane wanc, C II,9).

In B schließt sich jene Strophe an, die in C das Lied eröffnet und in der das Ich sich gegenüber den Neidern abgrenzt und sich – rückerinnernd an das im Minnedienst lange ertragene Leid – zu den Fröhlichen zählt.

Dieser Kontrast von Damals und Jetzt bestimmt auch die letzte Strophe: Sein kummerreiches Minnewerben wurde erhört, und das Ich bejubelt seine Freude.

Sandra Hofert

Kommentar veröffentlicht am 28.02.2022.
Gehört zur Anthologie: Allgemeines Minnelied
 B Veld 14 = MF 59,32Zitieren
Digitalisat
Weingartner Liederhandschrift (Stuttgart, LB, HB XIII 1), pag. 54
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