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Friedrich von Hausen, ›Wol ir, si ist ein selig wip‹ (C 51 52 53) Lied zurückDruckerTEI Icon

Kommentar

Überlieferung: Drei­stro­phig in C unter Friedrich von Hausen, fünf­stro­phig ohne Autornennung in der Weimarer Liederhandschrift f. Str. II und III sind hier im Vergleich mit C vertauscht, Str. f III hat zudem einen von C abweichenden Abgesang. Str. IV und V überliefert f unikal. Die gemeinsame erste Strophe führt das Berner Hausbuch (P₁) fragmentarisch als Einzelstrophe; die Überlieferung bricht in V. 4 nach behuͤtet ab.

Die blaue Initialfarbe und das Notazeichen markieren in C den Tonzusammenhang der drei Strophen, formal hebt sich C I jedoch von C II und III ab. Schweikle, S. 170, geht daher davon aus, dass die erste Strophe ursprünglich eine Einzelstrophe war, die nachträglich in einen Liedzusammenhag eingebunden wurde.

Form: Die Überlieferung lässt mit Str. C I, Str. C II/III und der f-Version drei metrisch von Freiheiten geprägte, leicht unterschiedliche Kanzonenformen mit angereimtem Abgesang erkennen.

C I: 4a 6b / 4a .6b // .7b .6c 4d .4d 4c

Das Schema für C II und III weicht in V. 6 und 8 ab: .4a .6b / .4a .6b // .7b (.)4c .4d 3d 4c

C II,2 ist unterfüllt, III,1 ohne Auftakt. Die schmückenden Binnenreime in C II,5 sind durch Reim­punkt markiert; in C III,5 ist Binnenreim möglich (identischer Reim mich : mich?), aber eventuell zufällig und handschriftlich nicht ausgezeichnet.

Über den Abgesang der mittleren Strophe sind alle drei C-Strophen durch Reimresponsionen miteinander verbunden (wip : lip in C I,1/3 und C II,6/9; min sin in C II,7f. und C III,7f.). In Str. III sind V. 3 (ungewert) und V. 9 (gewern) durch grammatischen Reim verknüpft.

Das Schema der f-Strophen entspricht bis auf V. 7 demjenigen von C I. Die Auftaktgestaltung ist weitgehend frei: (.)4a (.)6b / (.)4a (.)6b // .7b .6c .2d 4d 4c

f I,7 fügt sich mit zweisilbigem Auftakt dem Schema ein, in f V,6 muss beschwerte Hebung angesetzt werden; f V,5, f II,6 und f IV,7 sind ohne Auftakt, f V,9 hat Auftakt.

Da der Abgesang von f III ein anderer ist als jener der Parallelstrophe C II, entfallen in f die oben genannten Reimresponsionen zwischen den ersten drei Strophen. Stattdessen sind hier die Strophen f IV und f V über den Reim an vorhergehende Strophen und aneinander angebunden. In Str. f IV betrifft dies sämtliche Reime: f IV,1/3 (sein : pin) und f IV,6/9 (sein : mein) greifen den Klang von f II,7f. (sein : mein) auf, f IV,2/4/5 (gewan : man : kan) den von f I,2/4/5 (gewan : man : gan); f IV,7f. (weyp : leytvertreyb) ist Reimresponsion nicht nur zu f I,1/3, sondern auch zu f V,6/9 (weyp : leyp). f V,7f. (gewert : begert) ist über den Reim verknüpft mit f II,1/3 (gert : ungewert) und (als grammatischer Reim) f II,6/9 (enperen : geweren).

Inhalt: Frauenlied. C und f bieten hinsichtlich Strophenreihenfolge und -anzahl unterschiedliche Versionen.

In der gemeinsamen Str. I besingt ein weibliches Ich seinen Liebesschmerz und deutet als Hindernis der Liebeserfüllung die Gesellschaft an (I,7–9). Mit C II beteuert die Sprecherin ihre Liebe und dass sie sich Liebeserfüllung wünscht, die jedoch eine Gefahr für ihre Ehre und sein Leben darstellt; in C III lehnt das Ich die Erfüllung daher klagend ab.

Dazu bietet die f-Version den Gegenentwurf: Hier sind die Str. II und III vertauscht, zudem hat der geänderte Abgesang von Str. III nun nicht mehr die Gefahr für Ehre und Leben zum Thema, vielmehr fordert die Sprecherin den Geliebten auf, er solle daran denken, wie sie ihn in rechter liebe gar [...] ume ving (f III,6). Str. f IV schließt hier inhaltlich und durch Aufgreifen des Worts wille aus f III,9 direkt an: Das Ich will dem Geliebten, seiner höchsten Freude, gegen alle Hindernisse thun den willen sein (IV,1). Mit Str. V bekräftigt die Sprecherin diese Absicht, zunächst in Form einer rhetorischen Frage (V,1–6), die den Preis des Geliebten mit einschließt, dann mit der Versicherung, sie wolle die Liebe erwidern, auch wenn es sie das Leben kosten solle.

Bezüglich starker intertextueller Bezüge der Str. IV und V zu Reinmars Frauenliedern nimmt Ashcroft, S. 64f., eine parodistische Absicht und Wirkung an.

Simone Leidinger

Kommentar veröffentlicht am 06.07.2021.
Gehört zur Anthologie: Frauenlied
 C Hausen 51 = MF 54,1Zitieren
Digitalisat
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 118vb
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 I
 
 C Hausen 52 = MF 54,10Zitieren
Digitalisat
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 118vb
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 II
 
 C Hausen 53 = MF 54,19Zitieren
Digitalisat
Große Heidelberger Liederhandschrift, Codex Manesse (Heidelberg, UB, cpg 848), fol. 119ra
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 III
 
 
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