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Reinmar, ›Ich wirbe uͤmme allez, daz ein man‹
E Reinm 85 (297)
I (work in progress)E Reinm 85 (297) = MF 159,1
Überlieferung: München, UB, 2° Cod. ms. 731, fol. 185va
E Reinm 86 (298)
II (work in progress)E Reinm 86 (298) = MF 159,10
Überlieferung: München, UB, 2° Cod. ms. 731, fol. 185vb
E Reinm 87 (299)
III (work in progress)E Reinm 87 (299) = MF 159,19
Überlieferung: München, UB, 2° Cod. ms. 731, fol. 185vb
E Reinm 88 (300)
IV (work in progress)E Reinm 88 (300) = MF 159,28
Überlieferung: München, UB, 2° Cod. ms. 731, fol. 185vb
E Reinm 89 (301)
V (work in progress)E Reinm 89 (301) = MF 159,37
Überlieferung: München, UB, 2° Cod. ms. 731, fol. 186ra

Kommentar

Überlieferung: Das fünf­stro­phige Lied ist in ACE im Reinmar-Korpus überliefert, in B eröffnet es die ursprünglich namenlosen Reinmarsammlung (s. Korpuskommentar zu B). Die Strophenreihenfolge in BC ist identisch; daran orientiert zeigt sich die Folge in A als V, I, IV, II, III, in E als I, IV, II, V, III. Auch auf Strophenebene entsprechen sich BC weitgehend, wohingegen A sowie E immer wieder andere Lesarten bieten.

Das Lied wird in der Forschung mit der Reinmar-Walther-Fehde in Zusammenhang gebracht. Siehe zu jenem vermeintlichen Sängerstreit den Autorkommentar.

Form: .4a .6b / .4a .6b // .5c .5c .4d .6d .2d

Es liegen neunversige Stollen­stro­phen vor. Der a-Reim in E III ist gestört; der d-Reim in BC III / AE V greift den a-Reim auf. Der a-Reim von BCE I / A II reimt zudem mit dem c-Reim von A IV / BC II / E III sowie mit dem a- und d-Reim in BC III / AE V. Der b-Reim von A II / BCE I reimt ferner mit dem c-Reim von A I / BC V / E IV.

Unterfüllt sind E I,2; BC V,8. Überfüllt ist A II,7. Kein Auftakt in E III,8; BC IV,3.

Inhalt: Frauenpreis und Klagelied, in dem der Sprecher das Miteinander von Freude und Leid im Dualismus von Herz und Körper ausdrückt.
(Die Strophennummerierung im Folgenden bezieht sich auf BC.)

In der ersten Strophe preist das Ich die Frau als Inbegriff allen weltlichen Glücks. Der Sprecher problematisiert die Unmöglichkeit eines angemessenen sprachlichen Ausdrucks und hebt die Überlegenheit seiner Dame gegenüber allen anderen Frauen hervor. Der letzte Vers bietet eine Matt-Erklärung, deren Adressat mehrdeutig ist: die höfische Gesellschaft (vgl. MF/MT), die anderen Damen am Hofe oder die (fiktiven) Minnedamen der anderen Dichter und damit jene Sänger selbst (vgl. Wachinger, S. 104) (s. auch die variierenden Lesarten des letzen Verses).

Die zweite Strophe greift den Dualismus von Herz und Körper (E: muot) auf: Selbst wenn der Körper dem Ich zu anderen Frauen rät, strebt das Herz nur zu der einen. Dieser vom Herz Auserwählten zu dienen, ist der Lebenssinn des Sprechers, das ›süße‹ Leid ein Geschenk.

Sollte er von ihrem Mund einen Kuss stehlen können, will er diesen immer heimlich bei sich tragen. Sollte sie ihn jedoch deswegen anfeinden, will er den Kuss – so der Sprecher ironisch – dorthin zurück bringen, wo er ihn gestohlen hat (vgl. Str. III). Zum Kussraubmotiv als mögliche Entlehnung aus der Troubadour-Lyrik siehe den Autorkommentar.

Dass er seiner Dame gleichgültig ist, will er in Treue ertragen. Sollte sie ihn vielleicht doch irgendwann gerne sehen, dann könnte er sich mit jedem anderen messen, der behauptet, er hätte größere Freude (vgl. Str. IV).

In der letzten Strophe bekräftigt der Sprecher schließlich nochmal seine Treue: Jeden Tag, für den Rest seines Lebens, will er ihr dienen. Darüber freut sich das Ich bei gleichzeitigem Leid im Herzen (vgl. Str. V).

Wo die letzten beiden Strophen in BC mit der Dienstbeteuerung so des Sprechers enden, schließen AE mit der Kussraub-Strophe, wodurch das Lied dort mit einer ironischen Wendung endet.

Sandra Hofert

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