Die Einstellungen der Textansicht wurden gespeichert.

Sie bleiben auf diesem Rechner und in diesem Browser als Standardeinstellungen gültig, bis Sie sie mit anderen Einstellungen überschreiben.
Walther von der Vogelweide, ›Got gebe ir iemer guͦten tag‹
C Wa 426 (422 [445])
IC Wa 426 (422 [445]) = L 119,17
Überlieferung: Heidelberg, UB, cpg 848, fol. 144ra
C Wa 427 (423 [446])
IIC Wa 427 (423 [446]) = L 119,35
Überlieferung: Heidelberg, UB, cpg 848, fol. 144ra
C Wa 428 (424 [447])
IIIC Wa 428 (424 [447]) = L 119,26
Überlieferung: Heidelberg, UB, cpg 848, fol. 144rb
C Wa 429 (425 [448])
IVC Wa 429 (425 [448]) = L 120,7
Überlieferung: Heidelberg, UB, cpg 848, fol. 144rb
* * *
C Wa 430 (426 [449])
VC Wa 430 (426 [449]) = L 120,16
Überlieferung: Heidelberg, UB, cpg 848, fol. 144rb

Kommentar

Überlieferung: Das fünfstro­phige Lied ist in C und E mit identischem Strophenbestand, gleicher Reihung und geringfügigen textlichen Unterschieden überliefert. Die Forschung zählt die letzte Strophe aufgrund inhaltlicher Erwägungen und einer etwas abweichenden Metrik in der Regel nicht zu diesem Lied, obgleich sie beide Handschriften als zugehörig ausweisen. Der fehlende Wechsel der Initialfarbe in C wiegt beim Nachtragsschreiber ES allerdings nicht allzu schwer. Wa/Bei setzt sie aufgrund metrischer Erwägungen als Schlussstrophe zu E Wa 121–124. Da sich das Lied in E direkt vor diesem hier findet, könnte es sich um eine unmarkierte Nachtragsstrophe handeln (vgl. den Kommentar dort). Kornrumpf (S. 93) erwägt, dass die Strophe ursprünglich nach E Wa 123 ihren Platz hatte. Schweikle sieht in der letzten Strophe ein eigenständiges, ein­stro­phiges Lied.

Unklar ist indessen, ob die Liedstrophe überhaupt Walther zuzurechnen ist, da das Lied E Wa 121–124 in AC Hartmann von Aue zugeschrieben wird. Eine gründliche Darstellung der verschiedenen Erwägungen findet sich bei Kornrumpf, S. 87–100.

Auch die Strophenreihung ist – trotz Einheitlichkeit der Handschriften – seit Wa/L immer wieder neu diskutiert worden. Lachmann geht von einer ursprünglichen Reihung I-III-II-IV aus; ebenso Wa/Kr, Wilmanns, S. 400-402 und Brunner (dort mit ausführlicher Darstellung). Brinkmann, S. 291f. setzt hingegen III-I-II-IV, Maurer, S. 40f., I-II-IV-III und Meyer, S. 84-90 II-I-III-IV. Wo das Lied nicht mit Str. I beginnt, taucht es in den Ausgabe entsprechend unter anderem ›Titel‹ auf. Für die Beibehaltung der ursprünglichen Strophenfolge (allerdings ebenfalls ohne Str. V dazuzuzählen) plädieren Köhler und Schweikle.

Form: (.)4a (.)4b / (.)4a (.)4b // (.)4-c (.)4-c (.)8K (.)4d (.)4d

Für Str. V gilt: .4a .4b / .4a .4b // .6c .6c .4x 4d .5d

Neunzeilige Stollenstrophe aus Viertaktern mit freier Auftaktgestaltung. Der siebte Vers ragt nicht nur durch seine acht Hebungen heraus, sondern bindet die ersten vier Strophen durch Kornreim aneinander. Dieser fehlt in Str. V, die auch sonst im Abgesang eine abweichende Metrik aufweist – das spricht für zwei ursprünglich getrennte Lieder. Die Metrik des Liedes ist aber insgesamt unregelmäßig, bisherige Editionen haben daher immer wieder konjizierend in den Textbestand eingegriffen.

Inhalt: Wechsel.

Unzweifelhaft handelt es sich um einen Wechsel, Unklarheit besteht allerdings in der Zuordnung der Strophen zur Männer- bzw. Frauenrolle. Str. I kann noch zweifelsfrei einem männlichen Sprecher-Ich zugewiesen werden. Liest man Str. II ebenfalls als Mannes-Strophe ergäbe sich eine für einen Wechsel ungewohnte Strophenreihung. Nimmt man hingegen Str. II als Frauenstrophe an, folgt mit Str. III eine weitere Frauenstrophe. Dass viele der bisherigen Editionen versuchen, durch Umstellung der Strophen wieder einen gewohnten Wechselgesang herzustellen, hat vor allem Köhler zu Recht kritisiert (S. 208). Immerhin ist das Lied ein gutes Beispiel für den Minnesang als ›Variationskunst‹, so dass die Irritationen in der Reihenfolge für bewusst gesetzt gehalten werden können. Dasselbe könnte für die metrischen Abweichungen in Str. V gelten, zumal sie sich inhaltlich durchaus an den restlichen Strophenbestand anschließen lässt.

Die Inhalte des Wechsels sind hingegen konventionell: Str. I beginnt mit einer Minneklage der Männerrolle, die sich durch die doppelte Verwendung eines Oxymorons (wie suͤze ein arbeit – I,8 bzw. ein senfte unsenftekeit – I,9) auszeichnet. Beklagt wird vor allem, dass die Frau dem Mann zwar ihre Zuneigung versichert habe, aber nicht danach handelt. Str. II kann als eine Art Antwort verstanden werden: Da derzeit keine höfische Freude herrsche (nu si alle truren so – II,3), ist auch der Weg zum Liebesglück verstellt. Str. III greift in den Anfangsversen den Gedanken der süezen arebeit wieder auf (Got hat vil wol ze mir getan, sit ich mit sorgen minnen sol – III,1f.), allerdings nun in der Sprecherrolle der Frau. Str. IV bietet (aus männlicher Perspektive) ein Umschwenken weg von der persönlichen Liebeserfahrung zu einer allgemeinen laudatio temporis acti. Eine ähnliche Vermischung von Liebeslied und Hofspruch findet sich bei Walther auch sonst häufig. Auch in Str. V kommt noch einmal das männliche Sprecher-Ich zu Wort: Die ganze Strophe besteht aus einem einzigen Satz, der auf die Bitte nach der Dienstannahme durch die Dame zuläuft.

Björn Reich

▼ Drucken / PDF
Hinweise zum Druck
Bitte reduzieren Sie zuvor die Anzahl der Spalten!
Formatwahl: