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Walther von der Vogelweide, ›Du̍ welt waz gelf, rot unde bla‹
A Wa 147
I
IA Wa 147 = L 75,25
Überlieferung: Heidelberg, UB, cpg 357, fol. 13v
A Wa 148
II
IIA Wa 148 = L 75,32
Überlieferung: Heidelberg, UB, cpg 357, fol. 13v
A Wa 149
III
IIIA Wa 149 = L 76,1
Überlieferung: Heidelberg, UB, cpg 357, fol. 13v
A Wa 150
IV
IVA Wa 150 = L 76,8
Überlieferung: Heidelberg, UB, cpg 357, fol. 13v
A Wa 151
V
VA Wa 151 = L 76,15
Überlieferung: Heidelberg, UB, cpg 357, fol. 13v

Kommentar

Überlieferung: Das Lied ist mit fünf Strophen in derselben Reihenfolge in AC überliefert. Stellenweise zeigen sich deutliche Abweichungen in der Wortwahl, insb. III,3; IV,7; V,1.

Form: 4a 4a 4a 4a 4a 4a 4a

Monorimer vierhebiger Siebenzeiler. Alle Verse einer Strophe reimen auf denselben Vokal (beginnend in Str. I auf â, dann dem Alphabet folgend). Auftakte sorgen oftmals für Synaphie, leiten aber nicht regelmäßig Verse ein. Synalöphen sind in C I,6 und AC II,2 anzusetzen, in A I,6 ist zweisilbiger Auftakt anzunehmen.

Inhalt: Winterklage als sog. Vokalspiel. Das Sänger-Ich beklagt die Nöte des Winters und stellt sie den Freuden des Sommers gegenüber. Abweichungen der Zeugen ergeben sich insb. in IV,7, wo der Winter in C Subjekt, in A Akkusativobjekt ist; die Stelle insgesamt ist interpretationsbedürftig. Auch V,1f. differiert im Bild: In A vergleicht sich das Sänger-Ich mit einem trägen borstigen Schwein, was die Trägheit des Winters ausdrückt. In C setzt sich das Sänger-Ich mit Esau gleich, der ebenfalls als behaart beschrieben wird, außerdem seinem Bruder Jakob wegen großen Hungers für ein Linsengericht das Erstgeburtsrecht verkauft (Gn 25). Mehr noch erschleicht sich Jakob von Vater Isaak den Erstgeburtssegen, indem er sich mittels eines Fells als Esau ausgibt (Gn 27). In diesem Sinne kann verlegen (V,1) sowohl ein Liegen vor Müdigkeit nach der Jagd mit Bezug auf den Verkauf des Erstgeburtsrechtes meinen, das der Trägheit des Winters gleichgesetzt würde. Es kann aber auch mit dem Betrogensein durch den erschlichenen Erstgeburtssegen assoziiert werden, was eine Analogie zum Betrogensein um die Freuden des Sommers annehmen ließe. Generell wird Esau in der mal. Theologie als an weltlichen Begierden ausgerichtet und damit moralisch verdorben charakterisiert (vgl. Schmidt, S. 128–130). 

Eine Parodie des Liedes findet sich bei Ulrich von Singenberg (C Singenb 104f. et al.), ein ähnliches Vokalspiel bei Rudolf dem Schreiber (C RudSchr 1–5).

Michael Lebzelter

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