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Friedrich von Hausen, ›Was mag das sin, das du̍ welt haisset minne‹ (B 43 44) Lied zurückLied vorDruckerTEI Icon

Kommentar

Überlieferung: Zwei­stro­phig in B und C unter Friedrich von Hausen. Das C-Korpus Friedrichs führt an früherer Stelle unikal die zwei annähernd tongleichen Strophen C Hausen 15f. (Wafena, wie hat mich minne gelassen!), die in Editionen meist mit den vorliegenden zu einem vier­stro­phigen Lied zusammengezogen werden (vgl. den Forschungsüberblick bei Hassel, S. 107–110). Die Überlieferungslage präsentiert zwei getrennte Liedeinheiten, die bei weitgehender inhaltlicher und formaler Ähnlichkeit je spezifische Charakteristika aufweisen.

Form: Die vorliegende Edition geht mit Schweikle, S. 159, und Schweikle, S. 472, beim Aufgesang von daktylischem und beim Abgesang von alternierendem Rhythmus aus. So erhält man eine heterometrische Strophenform:

4-a 4-b / 4-a 4-b // .3c .3c .3c .3-d .5-d.

Die Form ist dabei nicht eindeutig, ausgerechnet der Beginn des Abgesangs in I,5 lädt mit Krasis noch zur daktylischen Interpretation ein (getórst ich es jéhen; alternierend mit beschwerter Hebung: getórst ích es jéhen). Alternativ könnte man daher mit MF/MT analog zu C Hausen 15f. von durchgängig daktylischem Rhythmus ausgehen, dann ergäbe sich mit Binnenreimen im Abgesang eine isometrische Kanzonenform:

4-a 4-b / 4-a 4-b // .2c+.2c .2c+.2-d .4-d

Freiheiten in Bezug auf den Auftakt weist sowohl der Abgesang des  vorliegenden Lieds als auch der von C Hausen 15f. auf.

Inhalt: Minneklage und -reflexion.

Die rhetorische Frage nach dem Wesen der Minne, die den Aufgesang von Str. I prägt, wird verbunden mit dem Liebesschmerz des Ichs und dem Verlust seiner sinne. Der Abgesang verdeutlich die Schwierigkeiten des Ichs weiter, Minne als Abstraktum zu begreifen, da sie unsichtbar ist und das Ich sie nur an sich selbst als herzesere (I,8) wahrnimmt.

Str. II thematisiert Minne folgerichtig als Personifikation, gesteigert im abschließenden Wunsch des Ichs, die Minne zu töten und dadurch wieder Macht über sich selbst zu erlangen (II,7–9). Im Kontrast zu Str. I setzt Str. II mit einer Drohung ein, mit der sich das Ich an die Minne wendet: Gott soll es rächen. Der Wunsch, der Minne ein krumbes oͮge (B II,3) auszustechen, greift das semantische Feld des Sehens aus I,6 wieder auf.

Minimal ist die Bedeutungsnuance zwischen B und C in I,4, (C I,4: erfunde, B I,4: entpfunde), ansonsten laufen beide Handschriften inhaltlich parallel.

Simone Leidinger

Kommentar veröffentlicht am 06.07.2021.
Gehört zur Anthologie: Minne- bzw. Werbelied
 B Hausen 43 = MF 53,15Zitieren
Digitalisat
Weingartner Liederhandschrift (Stuttgart, LB, HB XIII 1), pag. 25
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 I
 
 B Hausen 44 = MF 53,22Zitieren
Digitalisat
Weingartner Liederhandschrift (Stuttgart, LB, HB XIII 1), pag. 25
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 II
 
 
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