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Ulrich von Winterstetten, ›Wer gesach den winter ie‹
C Wint 143 (136)
IC Wint 143 (136) = KLD 59 XXXV 1
C Wint 144 (137)
IIC Wint 144 (137) = KLD 59 XXXV 2
C Wint 145 (138)
IIIC Wint 145 (138) = KLD 59 XXXV 3
C Wint 146 (139)
IVC Wint 146 (139) = KLD 59 XXXV 4

Kommentar

Überlieferung: unikal in C. Vier­strophigkeit ist im Korpus die Ausnahme, evtl. fehlt eine Strophe. Dieselbe Beobachtung dürfte den Schreiber dazu bewogen haben, entsprechend Platz freizulassen.

Form: Kanzone mit Refrain. Metrisches Schema:

4a 2-b+2-b 2-b+2a / 4c 2-d+2-d 2-d+2c // 2-e+2-f 2g 2-e+2-f 2g 2-h+2-h 2-h+2g //R 2i+2i 2-j+2-j 2-j+2i

Der Ansatz von Binnenreimen gründet in der Verssymmetrie. V. 7f. und 9f. könnten auch nach dem ersten Reim umbrochen werden (so KLD). Genauso wären sechshebige Verse denkbar.

Die Alternation ist streng regelmäßig, unklar ist die Frage der Elision in IV,12, da sie einerseits metrisch erforderlich ist (anders III,11), andererseits aber den Reim stört. Responsionen: I,7. 9 zu IV, 2. 3; III, 4. 6 zu IV, 8. 10. 12.

Inhalt: Minneklage. Dass der Sommer den Winter austreibt (I), kontrastiert implizit mit der Situation des Ichs als eines Minnetoren, gegen den sich die Minne gnadenlos zeigt (II). Sein Gesang und seine Worte sind ohne Wirkung, zumal die Geliebte seine Klage nicht beendet (III). Mit einem auf Dauer gestellten Frauenpreis bereitet das Ich seinen eigenen Kummer (IV). Die Aussichtslosigkeit, die die vier Strophen artikulieren, sind in der (grammatikalisch) irrealen Grußhoffnung des Refrains gespiegelt, sie findet ihren Ausdruck außerdem in der Ach-Interjektion, die, jeweils zu Beginn von V. 7, die Strophen II bis IV anaphorisch bindet. Dem Lied scheint ein gedanklicher Abschluss zu fehlen (»der lahme Schluss«, von Kraus, S. 594), was angesichts des möglichen Strophenverlusts nicht wundernimmt.

Intertext: Einige wenig spezifische Similien verzeichnet von Kraus, S. 594.

Florian Kragl

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