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Heinrich von Veldeke, ›Tristan muͦse sunder sinen dank‹
C Veld 10
IC Veld 10 = MF 58,35
C Veld 11
IIC Veld 11 = MF 59,11

Kommentar

Überlieferung: Die beiden Strophen sind in ABC im Korpus Heinrichs von Veldeke überliefert.

Sowohl über die Liedeinheit der beiden in C durch die gleiche Initialfarbe als zusammengehörig markierten Strophen als auch über die Verbindung mit BC Veld 8–9 bestehen in der Forschung Differenzen (für eine Übersicht vgl. MF/MTE, S. 81). Ipsen, S. 387, verstand alle vier Strophen als eine Vortragseinheit. Auch Thomas, S. 235–239, verwies auf die enge Verbindung der Strophen, sprach jedoch alle Veldeke ab; Bein, S. 369–379, hebt die Tonähnlichkeit der vier Strophen hervor, widerspricht allerdings den Athetesen von Thomas. Da sich die Formen der Strophen jedoch sowohl im Reimschema als auch in der Versfüllung (insbesondere im Abgesang) markant unterscheiden, geht die vorliegende Edition mit MF/MT von zwei Tönen aus.

Form: 4a 4-b / 4a 4-b // 4a 4a 4-b 4c 2-d 2-d 3c 3c

Es liegen zwölfversige Stollen­stro­phen mit angereimten Abgesang und zwei rührenden Reimen in der ersten Strophe (danc/dank V. 1 : 5; minne V. 4 : 7) vor. Der erste Vers der ersten Strophe ist in BC fünfhebig, weswegen Schweikle vermutet: »entweder ist der Name Tristan besonders hervorgehoben gewesen, oder die BC-Überlieferung hat das in A (und im Original?) fehlende Possessivpronomen (sînen) erst nachträglich ergänzt« (S. 433). A I,12 ist unterfüllt. Auftakt in II,4.10; BC II,9. A II,10 ist nach hsl. Lesung überfüllt.

Der Einfluss von Chrétiens Lied D’Amors qui m’a tolu a moi auf Veldeke ist umstritten (eine kurze Übersicht über die Forschungspositionen gibt Schnell, S. 137).

Inhalt: Werbestrophe und Minneklage.

In der ersten Strophe distanziert sich das Ich von der mit Tristan verbundenen passionierten Liebe und konturiert im Kontrast dazu seine eigene Minneauffassung, bei der die Freiwilligkeit im Zentrum steht, wobei das metaphorische Sprechen in A V. 6f. im Vergleich zur Parallelüberlieferung intensiviert ist (›Schmerz trinken‹). Damit setzt die Strophe Wissen um den im deutschen Sprachraum vermutlich insbesondere durch Eilhart bekannten Tristanstoff voraus. Die Strophe schließt mit der Bitte um Erhörung.

In der zweiten Strophe spiegelt sich die betrübte Stimmung des Ichs in der winterlichen Natur. Durch die Varianz im letzten Vers wird der Kontrast zwischen liebe und leit in A am stärksten herausgestellt. Vielleicht kann diese Strophe als Ausdruck des vergeblichen Dienstes der ersten Strophe verstanden werden (vgl. Schweikle, S. 433).

Sandra Hofert

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